Frau Bergmann wird übermütig

Kennst Du Renate Bergmann, geb. Strelemann, die Online-Omi? Falls Du bei Twitter bist, empfehle ich Dir dringend, ihr zu folgen. Sie kommt zwar nicht ganz an die niedlichen Ottervideos heran, bringt mich aber mit jedem ihrer Tweets zum Schmunzeln.

Die heutige Schreibaufgabe bei meinem bevorzugten Twitteraccount lautet: Schreibe eine Kurzgeschichte, die die Wörter „Mittwoch, Lebensfreude, Platzregen“ enthalten muss.

Aus mir unerfindlichen Gründen hatte ich die ganze Zeit Frau Bergmann vor meinem inneren Auge. Deshalb heißt die Geschichte auch:

Frau Bergmann wird übermütig

Frau Bergmann tritt vor die Tür und wirft einen Blick nach oben. „Mein lieber Petrus, das hätte heute nicht sein müssen! Du weißt ganz genau, dass ich Mittwochs immer einkaufen gehe!“ Kopfschüttelnd spannt sie ihren Regenschirm auf. Platzregen. Ausgerechnet heute. Das wird wieder eine anstrengende Jonglage geben mit zwei Einkauftstaschen und Schirm. Und wenn dann noch dieses Ding rappelt, weil ihre Freundin ganz dringend etwas erzählen muss…

Aber so einen Rucksack, wie ihn die Schmidt, diese olle verkniffene Veganerin aus dem Erdgeschoss immer aufhat, wird sie sich trotzdem nicht zulegen. Und für den Hackenporsche fühlt sie sich noch viel zu jung mit ihren paarundachzigeinhalb.

Schicksalsergeben stapft sie los. Es hilft ja nichts. Mittwochs wird eingekauft. Immer. Punkt. Wäre ja noch schöner, wenn sie sich durch Petrus, diesen Nieselpriem, von ihrem Tagesprogramm abhalten ließe!

Platsch! Auf einmal steht Frau Bergmann mit einem ihrer Gesundheitsschuhe in einer dicken Pfütze. Das kommt davon, wenn man nicht ordentlich aufpasst!

„Ob ich doch morgen erst einkaufe? Wenn ich jetzt bis zum Laden gehe, hole ich mir noch eine Blasenentzündung.“ denkt sie laut. „Ach, ein bisschen Sponaneität wird der Lebensfreude guttun!“ Sie legt ihre Sachen auf eine Bank, hebt Rock und Mantel ein wenig an und springt mit beiden Füßen gleichzeitig in die Pfütze.

Hui, wie schön das platscht! Gleich nochmal! Die irritierten Blicke der Menschen an der Bushaltestelle ignoriert sie.

Nach ein paar Minuten beschweren sich die alten Knochen ein bisschen. Also nimmt Frau Bergmann ihre Taschen und den Schirm und macht sich auf den Weg zurück nach Hause.

„Ach, kaufe ich eben doch erst morgen ein, ich alte Abenteurerin, ich! Aber jetzt schnell einen schönen heißen Grog und ab in die Badewanne!“ Und weil es so Spaß macht, streckt sie der an Tür von Frau Schmidt noch die Zunge raus. Ganz weit.

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