#Dieselgipfel – Dobrindt erhöht den Druck

Das weiß n-tv, die Nachrichten-App unseres Vertrauens, heute zu berichten und zeigt dazu ein Foto unseres Verkehrsministers, auf dem er vor Dynamik und Kampfgeist nur so strotzt. Da blitzen ein paar entschlossene Äuglein hinter den schwarzumrandeten Brillengläsern hervor, die Arme sind leicht geöffnet, die Handflächen zeigen nach unten. Da muss ihm der Körpersprache-Coach die „Jetzt reicht’s! Aber echt!“-Haltung beigebracht haben; normalerweise guckt er ja immer wie ein leicht dementer Kolkrabe (und sofort bitte ich alle Kolkraben um Entschuldigung). Hier zum Beispiel:

Alexander_Dobrindt_0005

Aber unser Alexander hat es faustdick hinter den Ohren! So findet man auf Wikipedia außer dem Foto recht weit unten die folgende Information finden:

„Während des VW-Abgasskandals griff Dobrindt persönlich ein, um eine Musterfeststellungsklage für Verbraucher zu blockieren. In einem Papier für den Rechtsausschuss des Bundestages, welches zwischen Justiz-, Finanz-, Umwelt- und Verkehrsministerium schon weitgehend abgestimmt war, strich er im Dezember 2015 den Passus zur deutschen Variante der Sammelklage ersatzlos. Damit machte er eine Sammelklage gegen VW in Deutschland unmöglich.“

Aber das ist schon lange her, Sie haben es sowieso entweder nicht mitbekommen oder schon wieder vergessen, und überhaupt ist es Ihnen ja wahrscheinlich piepegal, solange die Bank Ihres Vertrauens Ihnen keine Zinsen für den Ratenkauf eines hochmotorisierten neuen SUV aufbrummt, nicht wahr?

Heute jedoch klingt er richtiggehend kampflustig, der Herr Verkehrsminister. Ökologie und Mobilität will er näher zusammenbringen. Warum er dann die Ökologen nicht einlädt zu seinem Gipfel, bleibt dem interessierten Leser verschlossen. Um Nachbesserungen bei der Abgasreinigung von Dieselmotoren gehe es, heißt es weiter. „Nachbesserungen???“ höre ich die kleine Störenfrieda in meinem Kopf fragen. „Die Dinger sind doch genau solche Dreckschleudern wie vor 20 Jahren, nur dass man das Dreckschleudern für den TÜV mittels Software kurz abschalten kann.“ möhrt sie weiter. Ich frage mich, wo denn die anderen Störenfriede und -friedas unter dem wählenden Autofahrervolk sein mögen.

Einen interessanten Satz gibt es noch in dem n-tv-Artikel, und der sollte auch uns autofahrenden Ignoranten aufwecken:

„Im Gespräch sind ein Fonds für weniger Schadstoffe im Stadtverkehr. Die Rede war von 500 Millionen Euro, an denen sich auch die Autobranche beteiligen sollte.“

Für die besonders Verschlafenen unter uns habe ich die beiden meiner Ansicht nach wichtigsten Wörter markiert, stelle fest, dass es sich bei „sollte“ um den Konjunktiv (Möglichkeitsform) II handelt  und frage mich – und Sie, liebe Leserin, lieber Leser – wer denn wohl die restlichen 499 Millionen Euro bezahlen wird, wenn die Autobranche ihr „Auch“ abgeliefert hat.
Mein Tipp: Legen Sie etwas Geld zurück und rechnen Sie mit einem Solidaritätszuschlag auf Ihre KfZ-Steuern zum Erhalt der notleidenden Automobilindustrie in Deutschland.

Und noch eine letzte, für Sie kostenfreie Information: Laut Statista.com waren in der deutschen Automobilbranche im Jahr 2016 808.000 Arbeitnehmer/innen beschäftigt. 2,8 Millionen Beschäftigte waren 2015 in einem Gesundheitsberuf tätig. Einige von denen kümmern sich auch um Atemwegserkrankungen und Unfallfolgen.

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